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Eine kleine Einführung zum Thema „Fahrrad mit elektronischem Hilfsmotor"


Obwohl das erste Serien-Elektrorad bereits 1932 produziert wurde und seitdem immer wieder neue Ansätze stattgefunden haben, die Pedalkraft zu unterstützen, ist die Technik tatsächlich erst in den letzten Jahren so praxistauglich geworden, dass die klassischen Vorurteile gegenüber Fahrrädern mit Trethilfe kaum noch ins Gewicht fallen. Niemand spricht heute noch von Behinderten- oder Alte-Leute-Fahrrädern. Der Markt profitiert vor allen Dingen von der rasanten Entwicklung auf dem Sektor der Batterien. Haben noch vor ca. fünf Jahren Akkus mit einer Reichweite von maximal 25 Kilometern knapp zehn Kilo gewogen, bekommt man heute bei einem Gewicht von etwas über 3 Kilo eine Reichweite von mehr als 100 Kilometern und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft. Zusätzlich sind die Batterien deutlich kleiner geworden, sodass die Optik der Räder sehr viel dezenter ausfällt und man häufig zweimal hinschauen muss, um überhaupt zu erkennen, ob ein Rad mit Motor ausgestattet ist. Dadurch gibt es eine immer größer werdende Gruppe von Pedelec-Nutzern, die einfach der Meinung ist, dass man eine Technik, die das Leben leichter macht, auch nutzen sollte, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Niemand käme auf die Idee, sich erst einen Akkuschrauber oder eine Geschirrspülmaschine zu kaufen, wenn er körperlich nicht mehr dazu in der Lage ist, diese Arbeiten von Hand zu erledigen.

Gleichzeitig spielt natürlich die demografische Veränderung eine wesentliche Rolle. Gab es 1960 noch einen Anteil der Menschen über 60 Jahren von 17,4 %  der Gesamtbevölkerung, so sind es heute  26,2 % und in 20 Jahren voraussichtlich über 35 %, Tendenz weiter steigend.

    Ebenfalls stark steigend ist der Anteil der Menschen, die das Fahrrad wiederentdecken, um damit schnell und entspannt zum Einkaufen oder zur Arbeit zu kommen. Aus dem einstigen Arme-Leute-Verkehrsmittel ist eine gesunde, ökologische, preiswerte Alternative zum Auto geworden.


Begriffserklärung


Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass häufig unterschiedliche Begriffe verwendet werden. Man spricht mal von E-Bikes, Elektrorädern oder Pedelecs, dem offiziellen Fachausdruck für die allermeisten Modelle. Dieser Begriff ist die Abkürzung für ein Pedal Electric Cycle und soll verdeutlichen, dass es sich um ein Fahrrad im herkömmlichen Sinne, also durch Pedalkraft angetrieben, handelt, das zusätzlich eine elektronische Unterstützung bekommt. Allerdings nur, solange auch tatsächlich getrampelt wird. Wir müssen eindeutig unterscheiden zwischen diesen Pedelecs und den E-Bikes, die eigentlich treffender mit Elektromofa bezeichnet würden, denn sie fahren nur durch Motorkraft, fallen deshalb aber auch unter die für Mofas geltenden Bestimmungen. Das heißt, sie benötigen Versicherung, Führerschein, Kennzeichen, Spiegel und sind in der Regel auf Radwegen nicht erlaubt. Sie unterliegen allerdings genauso wenig der Helmpflicht, wie jedes andere Fahrrad auch. Ebenso wie die sogenannte „Schweizer Klasse“. Damit werden Räder bezeichnet, deren Motor erst bei einer Geschwindigkei von 40 km/h abschaltet.

    Für die klassischen Pedelecs gelten exakt die Bestimmungen wie auch für Räder ohne Motorunterstützung, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
     
  • Das Rad muss der Straßenverkehrsordnung entsprechend mit Licht, Klingel und vorgeschriebenen Reflektoren ausgestattet sein.
  • Die Geschwindigkeit, bei der eine Motorunterstützung erfolgt, darf maximal 25 km/h betragen.
  • Falls eine Anfahrhilfe vorhanden ist (nicht zu verwechseln mit einer Schiebehilfe), darf diese das Rad höchstens bis zu 6 km/h bewegen, ohne dass getrampelt wird. Bei solchen Rädern muss der Fahrer mindestens 15 Jahre alt sein und einen Führerschein besitzen.
    Sobald eine dieser Bestimmungen nicht erfüllt wird, ist entweder eine Mofazulassung nötig oder das Rad ist nicht straßenverkehrstauglich.

Checkliste für den Elektroradkauf

 

Ich benutze mein Rad ausschließlich zum Freizeitvergnügen, fahre nur bei schönem, trockenem Wetter und maximal Strecken von dreißig bis vierzig Kilometern, komme also auf maximal 1000 km pro Jahr.


  • Unsere Erfahrungen und die Kundenreaktionen haben gezeigt, dass Sie unter Garantie erheblich mehr fahren werden, wenn Sie merken, wie viel Spass ein an Ihre Bedürfnisse angepasstes Fahrrad macht. „Ich bin in den paar Wochen, seitdem ich das Elektrofahrrad habe, mehr gefahren, als in den fünf Jahren davor“ ist ein häufig benutzter Satz unserer Kunden.
  • Wer sein Rad regelmäßig nutzt, vielleicht sogar als echtes Verkehrsmittel oder als Autoersatz sieht, hat natürlich auch einen entsprechend hohen Anspruch daran. Meist haben sich solche Kunden dann auch schon etwas eingehender mit dem Thema beschäftigt und wissen sehr genau, worauf es ankommt. Gerade die Produkte, die intensiv genutzt werden, müssen natürlich eine hochwertige Verarbeitung bieten, denn der Verschleiß und die Beanspruchung wächst enorm mit der Menge der gefahrenen Kilometer. Zuerst gelten die gleichen Kriterien an Qualität und Langlebigkeit, wie bei einem normalen Fahrrad. Hinzu kommt die Lebensdauer des Akkus, die extrem stark variieren kann.

Ich bevorzuge eine besonders bequeme, aufrechte Sitzposition, hohe Geschwindigkeit ist mir überhaupt nicht wichtig.

 

  • Im ersten Moment wird jeder sagen „Natürlich will ich bequem sitzen, alles andere wäre doch Unsinn.“ Dabei muss allerdings klar sein, dass jeder Mensch eine andere Ansicht davon hat, was für ihn komfortabel ist und dass eine sehr aufrechte Sitzposition, die die allermeisten Freizeitfahrer als bequem bezeichnen, auch gewisse Einschränkungen mit sich bringt. Prinzipiell muss immer genau abgewogen werden, wie wichtig einem die Bequemlichkeit im Verhältnis zum Gewicht des Rades ist, denn eine Federung z.B. macht das Rad zwar bequemer, aber automatisch auch schwerer, ebenso wie ein dick gepolsteter Sattel. Da jedem in Bezug auf Bequemlichkeit zuerst immer der Sattel einfällt, kann ich ihnen nur folgendes sagen: Mit Sicherheit gibt es für jeden Menschen den idealen Sattel, er muss nur gefunden werden. Dabei spielen aber so viele Faktoren wie Körperbau, Sitzposition, Kleidung oder Training eine Rolle, die ganz unterschiedlich beurteilt werden, dass es müßig ist, irgendwelche Tipps zu geben, außer den, Geduld zu haben und solange verschiedene Sättel auszuprobieren, bis Sie den richtigen gefunden haben. Ein seriöser Händler wird Ihnen immer die Möglichkeit geben, einen Sattel nach ein paar Tagen wieder umzutauschen.
  • Noch ein Wort zur Rahmenform. Seit einigen Jahren beginnt man sich davon zu verabschieden, Fahrräder geschlechtspezifisch zu trennen. Auch die Männer haben erkannt, dass Trapez- oder Waverahmen erheblich bequemer zum Ein- und Aussteigen sind als Diamant- oder Herrenrahmen, die bei unseren Verkaufszahlen gerade einmal zwei Prozent ausmachen. Gerade bei den Pedelecs, die das Fahren vereinfachen sollen, ist es nur konsequent, auch die Rahmenform so komfortabel wie möglich zu wählen.
  • Ebenfalls sehr wichtig: Durch eine Motorunterstützung, also einen deutlich geringeren Kraftaufwand beim Fahren, wird einer Überanstrengung entgegengewirkt, weshalb auch Ermüdungserscheinungen viel, viel später auftreten. Deshalb ist ein Pedelec grundsätzlich bequemer als ein normales Fahrrad, denn der schmerzende Po, ein verspannter Nacken oder die tauben Handgelenke sind immer auch Zeichen von Erschöpfung und Verkrampfung.

Ich möchte das Rad in erster Linie auf Reisen und im Urlaub nutzen.


  • Inzwischen ist die Auswahl an Elektrorädern so groß, dass auch für diesen Zweck etwas dabei ist. Es gibt sehr kleine, kompakte Räder, die sich erstaunlich gut sogar für lange Touren eignen und den Vorteil haben, dass sie leichter zu verstauen sind, z.B. im Zug oder im Wohnmobil. Noch einfacher zu transportieren sind sogenannte Falträder, die eingeklappt nicht mehr Platz beanspruchen als eine Reisetasche. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Faltrad außer dem einfachen Transport keinerlei Vorteile gegenüber einem normalen Rad bietet. Ganz im Gegenteil, das Fahr- und vor allem das Lenkverhalten ist sehr gewöhnungsbedürftig. 

Ich habe vor allen Dingen Probleme mit dem Anfahren, das Rad aus dem Stand in Bewegung zu setzen.

 

  • Für diejenigen, denen besonders die ersten paar Meter Schwierigkeiten bereiten, sei es, weil sie etwas aus der Übung sind, Gleichgewichtsstörungen, Schmerzen in den Knien haben oder denen relativ schnell die Puste ausgeht, ist eine Trittkraftsteuerung empfehlenswert. Diese ist in allen herkömmlichen Mittelmotoren serienmässig. Sie misst den Pedaldruck des Fahrers und gibt entsprechend viel Unterstützung dazu. Da dieser Druck logischerweise erheblich größer ist, wenn das Rad erst einmal aus dem Stand in Bewegung gesetzt werden muss, ist hier auch die Unterstützung besonders stark. Dadurch fällt das Anfahren, auch an Steigungen, mit einem Rad mit Trittkraftsteuerung besonders leicht, denn die Kraft setzt sofort ein, sobald Sie die Pedale bewegen.                                                        

  • Ganz anders sieht es bei Rädern mit Vorderradmotor und sogenannten Hallsensoren aus, die erst ein bis zwei Pedalumdrehungen brauchen, bevor sie merken, dass sie mithelfen sollen. Um diesen Nachteil auszugleichen, werden sie oft mit einem Gasgriff ausgestattet, einer sogenannten Anfahrhilfe. Da diese in der Vergangenheit durch den plötzlichen und unerwarteten Schub häufig zu Unfällen geführt hat und weil die Fahreigenschaften eines Vorderradmotors sehr ungünstig sind, ist prinzipiell von solchen Rädern abzuraten. Wir führen seit über fünf Jahren solche Modelle nicht mehr.

 

Mein Partner hat deutlich mehr Kondition als ich, sodass ich immer hinterher fahre, besonders an Steigungen muss er oft auf mich warten.

 

  • Die Kraft, mit der ein durchschnittlicher Freizeitfahrer in die Pedale tritt, beträgt ca. 100 Watt, bei sportlichen Fahrern auch einmal 150 Watt bis hin zu 400 Watt bei professionellen Berufsfahrern auf der Zielgeraden. In der höchsten Stufe gibt Ihnen ein Elektromotor 250 Watt Unterstützung dazu. Mit anderen Worten: Sie werden von einem Profiradsportler angeschoben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie auch dann noch hinterherfahren werden; sehr viel eher wird derjenige, der sonst immer auf Sie warten musste, schon bald ebenfalls den Wunsch äußern, sich ein neues Rad kaufen zu wollen...

 


Ich bin es gewohnt, eine Rücktrittbremse zu haben, fühle mich damit erheblich sicherer und möchte auf keinen Fall darauf verzichten.

 

  • Seit 2011 die ersten Systeme auf den Markt gekommen sind, die den Mittelmotor mit einer Rücktrittbremse kombinieren, gibt es überhaupt keinen Anlass mehr, auf das Gewohnte zu verzichten. Die allermeisten Modelle mit Nabenschaltung werden heute wahlweise mit oder ohne Rücktritt angeboten und alle namhaften Motorenhersteller (Panasonic, Impulse, Bosch) haben sich darauf eingestellt. Auch wenn die Handbremsen an den hochwertigen Pedelecs inzwischen so sicher geworden sind, dass der Rücktritt nicht mehr wirklich nötig ist, bleibt doch der ganz wichtige psychologische Aspekt des "sicheren Gefühls" bestehen.

Ich habe ein begrenztes Budget zur Verfügung und das Rad darf eine bestimmte Summe nicht überschreiten.

 

  • Wer sagt, dass er bei einem Elektrorad für sechshundert Euro nichts falsch machen kann, der wird schnell eines besseren belehrt, wenn nach wenigen Monaten der Akku ausgetauscht werden muss oder eine Reparatur gar nicht möglich ist, weil die Ersatzteile nicht zu bekommen sind. Selbstverständlich ist dem Preis nach oben keine Grenze gesetzt, aber egal, welche kompetente Meinung Sie sich holen, absolut jeder wird Ihnen versichern, dass ein vernünftiges Pedelec mindestens 2000 Euro kostet. Für bestimmte Einsatzzwecke mögen auch 1500 Euro genügen, aber alles darunter ist rausgeschmissenes Geld. Normalerweise würde ich immer eher zu einem guten Gebrauchtrad raten, aber im Fall der Elektroräder ist besondere Vorsicht geboten, da man nie sicher sein kann, wie lange der Akku noch hält und ob es passenden Ersatz dafür gibt bzw. dieser dann so teuer ist, dass es letztendlich ein Zusatzgeschäft wird. Dass an einem hochwertigen Pedelec allein der Akku so viel kostet, wie ein komplettes Billig-Elektrorad, sagt schon einiges über die Qualität aus.
  • Spätestens bei der ersten Reklamation, Inspektion oder Reparatur werden Sie sehr schnell merken, dass eine Kassiererin im Kaffeegeschäft nicht die richtige Ansprechpartnerin ist.
  • Billige Räder anzubieten ist keine Kunst, die den großen Konzernen oder Internetversendern vorbehalten ist. Auch wir könnten problemlos Modelle für weit unter 1000 Euro verkaufen. Allerdings sind wir uns des hohen Anspruchs an ein Fachgeschäft sehr wohl bewusst und würden weder unseren Kunden noch unserem Ruf einen Gefallen tun, wenn wir Ihnen "lebensgefährlichen Schrott" verkaufen.

Mein Rad muss zweckmäßig sein und das Fahren soll einfach nur Spaß machen.

 

  • Dazu nur soviel: Kaufen Sie das Rad, von dem Sie absolut überzeugt sind, dass es für Ihre Zwecke das richtige ist. Das finden Sie nur heraus, wenn Sie verschiedene Modelle ausprobieren und vergleichen. Lassen Sie sich gut und ausgiebig beraten, ohne sich zum Kauf eines bestimmten Rades drängeln zu lassen. Auch Ihr bester Freund, der es sicherlich nur gut meint, kann nicht unbedingt abschätzen, welche Anforderungen ein Rad erfüllen muss, damit es zu Ihnen passt. Daher sollten Sie sich tatsächlich in erster Linie nur auf Ihr eigenes Urteil verlassen. Also noch einmal:
                                                   
    Lieber fünf Räder zu viel Probe fahren als eines zu wenig.

Natürlich gehen viele dieser Punkte ineinander über bzw. schließen sich gegenseitig aus. Dennoch können Sie anhand dieser Liste die in Frage kommenden Modelle bereits sehr stark eingrenzen und sehr gezielt nach passenden Elektrorädern fragen.